Meine Historie in der IT nach dem Studium der Angewandten Informatik (Schwerpunkt Betriebswirtschaft) begann im IT-Betrieb mit dem klassischen Support von Anwendern, die sich mit noch nicht allzu lang vernetzten PCs auseinanderzusetzen hatten. "Remote" war ein noch nicht geborener Begriff. Stattdessen waren Telefon (MIT Kabel), Fahrrad zur Überwindung von Distanzen im Firmengelände sowie gutes Schuhwerk wichtigsten Tools. Später kam es zur Einführung von Windows 3.1 und damit auch erste Ansätze eines Supports über das (Novell-)Netzwerk, da Windows noch komplett davon geladen werden konnte und daher Konfigurationsdateien vom Arbeitsplatz im Zugriff waren. Der Abschluss des ersten Abschnitts "im Betrieb" war dann die Konzeption und Einführung des damaligen Systems Management Server (SMS) (Vorgänger des heutigen System Center Configuration Manager (SCCM)) für zentralisierte Softwareverteilung in einem internationalen Verbund.
Die nächste Etappe startete mit dem Betrieb und der Wartung eines komplexen Serververbunds bestehend aus einem HPUX-HA-Cluster (HP Unix High Avaibility Cluster), der für die hochverfügbare Bereitstellung einer Oracle-Datenbank (Version 8) und Windows-Verzeichnisfreigaben diente. Support, Betrieb, Wartung und dabei insbesondere die störungsfreie Aktualisierung von Hardware und Versionen (HPUX, Oracle) als auch die kontinuierliche Abstimmung mit dem Hersteller einer speziellen Software haben einen starken Blick auf die IT von einer Seite ermöglicht, die heutzutage mit Ops (Operations) eine beliebte Abkürzung findet. Später wurden das HPUX-Cluster aufgelöst, die Datenbank auf einem HPUX Einzelserver betrieben sowie Funktionen auf Windows-Server verlagert. Auch diese Umsetzung habe ich konzipiert, maßgeblich gesteuert und vorangetrieben.
Irgendwann ergab sich die Gelegenheit, "die Seite zu wechseln". Wem der Begriff DevOps etwas sagt, kann ungefähr abschätzen, welche Veränderung der Wechsel in die Rolle als TeamLead der Entwicklung bedeutete. In dieser Rolle war die Ops-Erfahrung optimale Voraussetzung, um diese gewinnbringend in die Entwicklung einfließen zu lassen. Die Software, mit der ich mich hier zu Beginn befassen durfte, war in der weniger verbreiteten Programmiersprache Uniface erstellt. Im Übrigen war es genau die Software, für welche ich vorher die Infrastruktur betrieben hatte.
Im weiteren Verlauf rückte zunehmend die Entwicklung einer Software mit Java EE in den Vordergrund, welche die bisherige Implementierung mit Uniface ersetzen sollte. Die Zusammenarbeit in einem heterogenen Projektteam mit äußerst motivierten Entwicklern und Fachexperten ließ mich auch schnell Kompetenzen in diesem Umfeld aufbauen. Die frühere starke Fokussierung auf Operations und Systemadministration wurde ergänzt um Softwarearchitektur und Team-Organisation in einem agilen Umfeld. Es hat mir sehr schnell gezeigt, wie wichtig in solch einem Umfeld der Faktor Mensch ist und die Art uns Weise, was und wie die Interaktion und Kommunikation untereinander ist, um die jeweiligen individuellen Stärken optimal ausschöpfen zu können.
Das Wichtigste bei dieser Historie war rückblickend - bei den Wirren von Firmenwechseln, Outsourcings, Produktionsstörungen und "Ach-so-wichtigen-Projekten" - sich den gesunden Menschenverstand zu bewahren. Oft war es sehr hilfreich, das gesamte Gelernte und Erfahrene beiseite zu legen und Dinge unbedarft und unvorbelastet anzugehen. Die dadurch erlangte Perspektive hat dann auch zur eigenen Überraschung einen klaren Blick auf den Lösungsweg ermöglicht.
Die Uhren drehen sich in der heutigen Zeit immer schneller und in der Informationstechnologie erst recht. Softwareentwicklung mit sich ständig weiterentwickelnden und neuen Programmiersprachen, Compliance und Security, Cloudtechnologie, Continous Integration, Delivery und Deployment, Artificial Intelligence - mehr denn je müssen sich Akteure in diesem Umfeld genau überlegen, auf welche Themen sie sich fokussieren möchten und können und mehr denn je ist echtes Teamwork entscheidend für den Erfolg.