Digitale Souveränität für jeden
Die Abhängigkeit von Microsoft, Google & Co. bewegt aktuell viele Menschen in Deutschland.
Zusätzlich besteht permanent das Risiko, das man sich auch an anderen und weniger offensichtlichen Punkten von einzelnen Herstellern abhängig macht.
Hier wird ein Ansatz verfolgt, um zur Vermeidung des sogen. "vendor lock-in" für einige zentrale Anwendungsfälle im privaten Umfeld.
Aus meiner Sicht nimmt die Verlässlichkeit von Diensten USA-stämmiger Firmen seit der letzten Präsidentschaftswahlen rapide und kontinuierlich ab.
Immer wenn der Komfort durch Informationstechnologie gesteigert wird, besteht ddas Risiko, dass im Hintergrund auf IT-Dienste zugegriffen wird, die mit oder ohne Vorwarnung ganz plötzlich abgeschaltet werden.
Ich selbst nutze u.a. endgerätübergreifend (Windows, Android, Browser) Dienste, wie
- Adressbuch (persönlich & Familie) - bisher: Google Kontakte
💩Der Zugang könnte nicht nur für deutsche Nutzer individuell oder generell deaktiviert werden. - Kalender (persönlich & Familie) - bisher: Google Kalender
💩Der Zugang könnte nicht nur für deutsche Nutzer individuell oder generell deaktiviert werden. - Aufgaben / Tasks
💩Der Zugang könnte nicht nur für deutsche Nutzer individuell oder generell deaktiviert werden. - Notizbuch (persönlich & Familie) - bisher: Synology Note Station
💩Die Software gibt es nur für Synology NAS Systeme. D.h., sollte mein NAS einen defekt haben oder altersbedingt ersetzt werden, geht an Synology kein Weg vorbei. Ein klassischer Vendor Lock-In also. - Internetradio
💩Verschiedene Internetradios, die ich gekauft hatte (Hersteller: Grundig & Pure), konnte ich plötzlich nicht mehr verwenden, weil die Hersteller Clouddienste abgeschaltet hatten, auf die die Radios zugegriffen haben. Normalerweise wären die Geräte faktisch nutzlos geworden, obwohl deren Zustand noch technisch einwandfrei war. Über die selbst eingerichetet Open-Source Software (OSS) Lyrion Music Server konnte eine Neuinvestition vermieden werden.
Es ist möglich, sich teils selbst mit relativ wenig Affinität zur IT ein wenig unabhängiger zu machen.
Statt fertiger Kochrezepte sollen hier Anregungen gegeben werden, wie ein Stück mehr digitale Souveränität erreicht werden kann. Je nach persönlichem Vorwissen, ist dann weniger oder mehr zusätzliche Recherche und Wissensaufbau nötig. Aus eigener Erfahrung kann ich da nur sagen, dass Geduld hier wichtig ist und als Empfehlung: nicht alles auf einmal, sondern nach persönlicher Präferenz themenweise vorarbeiten.
Die Begriffe “Digitale Souveränität” und “Nextcloud” sind heutzutage kaum voneinander zu trennen. Für die Funktionalitäten “Adressbuch”, “Kalender” und “Aufgaben” ist Nextcloud auch aus meiner Sicht eine sehr gute Basis.
Für die Bereitstellung einer funktionierenden Nextcloud-Umgebung kann jeder auf Dienstleistungen deutscher oder europäischer Anbieter zurückgreifen.
Exemplarisch genannt seien hier:
- Goneo Webhosting
Goneo bietet für seinen Webhosting Profi Paket die Möglichkeit, Nextcloud als sogen. ClickStart-Anwendung automatisiert einzurichten. Ich nutze diese Variante selbst.
Über das Goneo Kundencenter lässt sich eine regelmäßige Datensicherung der gesamten Nextcloud-Umgebung inkl. Datenbank aktivieren. - Hetzner Storage Share
Als sehr interessante Alternative erscheint mir dieser Service insbes. für diejenigen, die intensives Filesharing betreiben.
Storage Share basiert laut Beschreibung auf Nextcloud und kann mit einigen Erweiterungen ergänzt werden.
Steht Nextcloud einmal zur Verfügung, müssen die folgenden "Apps” aktiviert werden. Es werden dadurch zugleich Schnittstellen aktiviert, um von anderen Geräten darauf zuzugreifen (für Notizen wird Nextcloud mit seiner WebDAV-Funktionalität auch noch eine Rolle spielen):
- Calendar (CalDAV)
- Contacts (CardDAV)
- Tasks (CalDAV)
Über die Weboberfläche von Nextcloud können die Funktionalitäten sofort verwendet werden. Für eine Cloudanwendung ist es aber nötig, dass auch Zugriffe von Smartphones etc. möglich sind, die sich hierüber synchonisieren. Technologische Basis dafür bieten die offenen Kommunikationsprotokolle CalDAV und CardDAV. Für das jeweilige Endgerät ist nur noch ein Stück Software nötig, welches diese Protokolle unterstützt.
Beispiele:
- Fritzbox Router
Bei Fritzbox Routern mit Telefonie können eigene Telefonbücher eingerichtet werden ("Telefonie - Telebonbuch - Neues Telefonbuch").
Internetadresse des CardDAV-Anbieters: 'https://<myNextCloudUrl>/remote.php/dav'
Mozilla Thunderbird
Wer diesen OSS Mailclient verwendet (kann ich nur empfehlen😉), kann dessen native Unterstützung von CalDAV und CardDAV nutzen.
Über den Eintrag “CardDAV-Adressbuch hinzufügen” werden die Verbindungsdaten wie im vorherigen Punkt abgefragt.- Android Smartphone oder Tablet
Eine populäre OSS-Software, um Android-Geräte CardDAV- und CalDAV-fähig zu machen, sind DAVx5 (Kalender & Adressbuch) und jtx Board (Aufgaben), welche aus dem Google Playstore (gegen Gebühr) oder von F-Droid (freiwillige Spende) installiert werden können. Die Beschreibung dessen Einrichtung ginge hier zu sehr ins Detail. So viel sei geschrieben, dass damit Kalender und Adressbuch von Nextcloud verfügbar gemacht werden kann. - Apple-Geräte
iOS & Co. unterstützen (angeblich) nativ CalDAV und CardDAV. Mangels Endgeräten kann ich auf diese hier jedoch nicht näher eingehen. - SmartHome
Diverse SmartHome-Anwendungen bieten die Möglichkeit, Dinge per Kalendereinträge zu steuern oder bei Ereignissen automatisch Kalendereinträge zu erzeugen. In der Regel ist CalDAV das dafür verwendete Protokoll, über das die Systeme miteinander kommunizieren.
Migration von Google (Fortgeschritten)
Kontakte
Die in Google Adressbuch vorhandene Möglichkeit zum Export kann genutzt werden.
Empfohlen wird das Format “vCard für Android oder iOS”.
Kalender
Die in Google Kalender vorhandene Möglichkeit zum Export kann genutzt werden.
Tasks
Wer bisher Google Aufgaben / Tasks genutzt hat, kann vorhandene Aufgaben mit dem OSS-Tool “GTask-ExportHelper” migrieren.
Der Import zu Nextcloud sollte dann jedoch unbedingt über “--outputMode CalDAV” erfolgen, mit dem auch bereits erledigte Aufgaben in Nextcloud wieder verfügbar sind.
Hinweis: Wiederholende Aufgaben werden aktuell von Nextcloud Tasks NICHT unterstützt.
Dies vorab:
Nexcloud bietet von Haus aus auch eine Unterstützung für Notizbücher, was für den einfachen Start sicher eine komfortabler Ansatz sein kann. Dazu muss nur die App “Notes” vom Administrator aktiviert werden. Für die Synchronisation mit Android- und Apple-Geräten existiert in den bekannten App-Stores eine entsprechende App “Nextcloud Notes”. Da von Windows oder Linux bislang nur über den Browser zugegriffen werden kann, habe ich nach einer Alternative gesucht.
Als Alternative zu “Nextcloud Notes” nutze ich Joplin. Was geht damit im Vergeich?
- es existieren Desktop-Apps für Windows, macOS und Linux
- es existieren mobile Apps für Android und Apple
- es lässt sich über WebDAV mit der bereits eingerichteten eigenen Nextcloud-Instanz verwenden
- Joplin bietet bessere Möglichkeiten für Formatierung und Strukturierung der Notizen
Am Besten erzeugt man über Nextcloud/Dateien einen neuen Ordner (b.B. “Joplin”), in dem künftig alle Notizen des Benutzers zentral gespeichert werden.
Nach der Installation der Joplin-App auf dem gewünschten Endgerät kann über “Synchronisation” mit dem Synchronisationsziel “Nextcloud” eine Verbindung hergesetllt werden (die Nextcloud-WebDAV-URL lautet 'remote.php/dav/files/Joplin').
Migration von Google
Eine Möglichkeit der Migration von Google nach Joplin ist mir noch nicht bekannt.
Ich hatte auch nicht weiter recherchiert, da ich diese noch manuell übertragen konnte, ohne zu viel Aufwand dabei zu haben.
